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Ehrenmal für Pfarrer Emil Hurm eingeweiht

Ehrenmal für Pfarrer Emil Hurm eingeweiht
Ehrenmal für Pfarrer Emil Hurm eingeweiht
© Dario Fritz
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Pfr. Emil Hurm

Ein Christkönigsfest mit Folgen

Vor genau 80 Jahren hielt Pfarrer Emil Hurm in Waldbrunn-Hausen einen Gottesdienst am Christkönigsfest. Aufgrund seiner Predigt wurde er von der GeStaPo (Geheime Staatspolizei) verhaftet. Dies war der Beginn seines grausamen Leidensweges. Über das Polizeigefängnis in Frankfurt und das Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg bei Berlin kam er im April 1940 in die „Hölle des KZs in Dachau“. Demütigende Verhöre und Folterungen waren die Folge über Monate. 5 Jahre überlebte er im Konzentrationslager. Nervlich von den Qualen der Gefangenschaft gezeichnet und sicherlich traumatisiert kehrte er zurück in seine Heimatgemeinde. Dort nahm er die Arbeit als Pfarrer in Hausen wieder auf und unterrichtete auch in der Volksschule. Über seine Leiden konnte er kaum sprechen. 

Was war geschehen? Seit der Reichskristallnacht am 9.11.1938 zogen Nazihorden der SA durch die Dörfer und drohten, dass alle Pfaffen und Gegner des Hitlerregimes im Grabe vermodern würden. Pfarrer Hurm entgegnete ein Jahr später während des Krieges diesen Männern in seiner Christkönigspredigt: „Wenn die Männer, die heute Geschichte machen, längst im Grabe vermodert sind, wird Christus noch immer König sein!“ Hurm war seit Herbst 1935 Pfarrer der Pfarrei Hausen-Fussingen. Schon vor dieser Zeit hatte die GeStaPo ihn auf dem Schirm, denn als sogenannter „Frühmesser“ und Lateinlehrer in Bad Camberg arbeitete er in der Jugendarbeit der Diözese eng zusammen mit dem späteren Bischof Ferdinand Dirichs. Damit machte er sich bereits auffällig.

Bereits im März 1939 hatte die GeStaPo den Dietkirchener Pfarrer Wilhelm Breithecker inhaftiert, der gebürtig aus Waldbrunn - Ellar stammt. Breithecker war zuvor Regens im Konvikt in Montabaur und dort schon observiert worden. Ab Anfang 1940 war er im KZ in Dachau. Dort überlebten er und Pfarrer Hurm neben den grausamen Unmenschlichkeiten der Gefangenschaft zwei schwere Epidemien. Der jetzt seelig gesprochene Pater Henkes hingegen fiel dort der letzten Epidemie zum Opfer.

Ein Christkönigsfest der Erinnerung

Am diesjährigen Christkönigsfest 2019 feierte Pfarrer Frank-Peter Beuler aus Frickhofen den Festgottesdienst mit engagierter Predigt in Waldbrunn-Hausen in Konzelebration mit den Priestern im Ruhestand Albert Keller aus Fussingen und den Brüdern Hans Josef und Klaus Wüst aus Hausen. Im Anschluss an den Gottesdienst segnete Pfarrer H.J. Wüst das für Pfarrer Emil Hurm neu gestaltete Denkmal neben der St. Laurentius Kirche. Es enthält den Grabstein des alten Friedhofes und eine Gedenkplakette. Der Kirchenchor St. Cäcilia Hausen gestaltete die Einweihungsfeier musikalisch. Pfarrer H.J. Wüst: „Möge dieses Denk- oder Mahnmal neben dem Kriegerdenkmal besonders den jungen Menschen ein Hinweis sein, die Zeichen der Zeit zu erkennen, wohin Rassenhass, Kriegstreiberei und völkische Ideen führen, um dann entsprechend menschlich und politisch zu entscheiden. Es ist heute leider wieder möglich, damit Stimmung zu machen, wenn ein gewählter Fraktionsvorsitzender behaupten kann, dass diese 12 Jahre des sogenannten tausendjährigen Reiches mit 6 Millionen ermordeter Juden und 6o-7o Millionen Kriegstoten ein „Mückenschiss“ in unser deutschen Geschichte seien. Zum Vergleich: in der mit überaus großer Brutalität  durchgeführten  Eroberung Südamerikas durch die Spanier und Portugiesen im 16. und17. Jahrhundert kamen etwa 1oo Millionen der dort wohnenden Indiovölker grausam zu Tode. Im April des kommenden Jahres ist es 75 Jahre her, dass das Lager in Dachau von den Amerikanern befreit wurde.“

Im März 1945 kamen die beiden Waldbrunner Pfarrer Breithecker und Hurm in die Freiheit und kehrten nach einer Erholungszeit in ihre Gemeinden zurück. Als 10-jähriges Kind war Pfarrer H.J. Wüst 1945 dabei, als die Pfarrgemeinde Hausen mit einer Prozession den zurückkehrenden Pfarrer Hurm am Ortseingang in Hausen begrüßte. Katharina Bauer, geb. Schermuly und Hans-Josef Wüst sagten damals gemeinsam ein Begrüßungsgedicht auf. Pfarrer Hurm starb 1965. Er sagte: “Vergessen kann ich das alles nicht, aber ich will verzeihen“.

Fahrt nach Dachau gegen das Vergessen

Gegen das Vergessen laden die beiden Priester Wüst und Keller daher zu einer Wochenendfahrt von Samstag 7. bis Sonntag 8. März 2020 nach Dachau ein. Neben der Besichtigung des Lagers wird für die 40 Fahrtteilnehmer ein Gottesdienst in der dort errichteten Kirche stattfinden. Der Preis für die Busfahrt, Abendessen, Übernachtung und Frühstücksbüffet im 4 Sterne Hotel beträgt 149,00 Euro. Anmeldungen sind bis 15. Januar bei Albert Keller und Hans Josef Wüst möglich. Einladungen und Anmeldeformulare werden in allen Kirchen des Pastoralen Raumes Blasiusberg und in der Kirche in Dietkirchen ausgelegt.

 

Autor: Pfr. i.R. Hans Josef Wüst